Geschichte

Die Definition von Glitch Art als solche wurde nahezu über Nacht berühmt und festgesetzt, als im November 2011 in Chicago, Amsterdam und Birmingham eine Hand voll Hacker und digitaler Künstler eine gewisse “gli.tc/h” Konferenz veranstalteten und internationale Künstler einluden, die sich mit der Zweckentfremdung von Daten, Soft-und Hardware beschäftigen. Zu dieser Zeit waren die neuen Medien schon so weit entwickelt, dass die meisten Künstler in den 2000ern genug Zeit hatten, sich an destruktive Vorgehensweisen und Konzepte heranzusetzen und sie umzusetzen. In keinem Jahrzehnt wurde also so viel gehackt. Mit im “gli.tc/h”- Programm waren Echtzeit Performances, Filmvorführungen, Vorträge, Diskussionen und Workshops, begleitet von zahlreichen Gallerien.

Zweck war es, die Paradigmen zu erforschen und zu verstehen,  die sich in der  Umgebung von “Glitch-Art” wiederfinden. Also Formen der “billigen” neuen Medien, bei der ein absichtlicher Missbrauch von Software und/oder Hardware zur funktionellen künstlerischen Ausdrucksform wird. Viele Teilnehmer kamen mit unterschiedlichen Motivationen: einige mit der klaren Absicht, das System kräftig zu hacken, andere wiederum, um den Tod von analogen Medien zu beklagen, und einige, um künstlerische Parallelen zwischen Fehlfunktionen im Code und Fehlfunktionen in der Maschine zu ziehen.

Der künstlerische Misbrauch von Medien und Aspekten von Medien fand bereits viel früher statt, wofür es jedoch noch keinen Namen gab. Bereits Dadaisten der 50er Jahre betrieben eine vorhergehende Form des Hackens, der Zweckentfremdung von Dingen, die einer bestimmten Funktionalität dienen, und daraus ein neues Objekt skulptural oder 2dimensional entwickeln.

Der Glitch als technische Panne konnte erst im Zeitalter der Personal Computer freie Entfaltung finden. Zu diesen Zeiten hatte er trotzdem immernoch keine Beliebtheit unter visuellen Gestaltern und Künstlern. Erste Anklänge fand er in der eletronischen Popmusik. Durch den Rapport von einzelnen Milli Sequenzen im Sound oder sogenannte Noise Effekte (durch Rauschen, Kratzen oder Knistern) erhielt der Hörer einen Eindruck, dass die Soundübertragung fehlerhaft ist. In der Techno- und Electro Szene erfreute sich dieses Stilmittel bald große Beliebtheit, gerade in sehr harten, aber auch experimentellen Flügeln der elektronischen Tanzmusik. Typische Interpreten sind u.a. “Aphex Twin”, “Squarepusher”, “Boxcutter” etc… Später, ab etwa 2007 optimierten sich diese Effekte in Qualität und vielfalt und wurden bei einigen Künstlern sogar essenziell, zu nennen wären hier “Ryoji Ikeda” oder das audio-visuelle Künstlerduo “/incite”, die jedoch den Glitch jeweils anders interpretieren. Beim Recherchieren jener Künstler fällt auf, dass Sound, Bild und Bewegung gerne ineinander hergehen und dadurch neue Welten der Wahrnehmung erzeugt werden und bestehende ausgereizt werden.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>